Rubrik: Alle / Erziehung und Familie /

Ferienkinder

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Zwar sind unsere Enkelkinder immer wieder mal bei uns, doch selten allein. Während der eben vergangenen Frühlingsferien habe ich deshalb sechs meiner acht Enkelkinder für je 1-2 Tage einzeln zu mir nach Hause eingeladen. Ich bin recht gespannt, wie diese Ferientage ablaufen. Bewusst habe ich keine Besuche von auswärtigen Sehenswürdigkeiten , von Museen, Zoos, Spielplätzen eingeplant. Ich will an diesen Tagen voll für das Kind da sein, auf seine Wünsche und Vorstellungen eingehen und  das Kind in seiner ganzen Eigenart erleben.

Den Anfang macht die Erst-Kindergärtlerin, die sofort selbstbewusst verkündet, sie bleibe zwei Tage und habe ihren Koffer für den Dienstag bereits am Samstag gepackt. Während der zwei Tage sind wir voll miteinander beschäftigt. Wir reden und lachen ununterbrochen. Und spielen immer wieder das gleiche Würfelspiel. Wohlerzogen sitzt sie am Tisch, isst die von ihr gewünschten Speisen mit guten Manieren und gesundem Appetit, sagt höflich danke und bitte und versucht nur ein kleines bisschen zu schwindeln, als es um die zu-Bett-geh-Zeit geht. Ihr Besuch ist eitel Wonne und Sonnenschein.

Als nächstes hole ich den 3. Klässler ab. Im Auto ist er etwas zurückhaltend. Leider ist das Bassinwasser für die mitgebrachte Badehose noch zu kalt, so machen wir einen Spaziergang zum nahe gelegenen Pflugstein, einem grossen Findling aus der Eiszeit, den der Linth-Gletscher vom Glarnerland hertransportiert hat. Das bietet Anlass über die Eiszeiten und die Entstehung des Zürichsees und seiner Landschaft zu reden. Vollends begeistert ist der Enkel als er den Findling von allen Seiten erklettern kann.

Das spätere Mittagessen schmeckt und nach einer “quiet-time”, in der er Micky-Maus-Hefte liest, ist ein Monopoly-Spiel angesagt, dessen Regeln er mir erklärt und mir auch gute Ratschläge erteilt. Trotzdem bin ich nach 2 ½ Stunden zu seiner grossen Freude bankrott, und nach dem Abendessen fahren wir zufrieden zu seiner Familie zurück.

Mit der 4. Klässlerin mache ich einen Blitzbesuch bei einer Freundin, die Geburtstag feiert, dann fahren wir nach Hause und machen uns gleich  auf einen Spaziergang. Sie will die Rossköpfe (=Kaulquappen=Entwicklungsstadium von Fröschen) sehen, von denen ich ihr erzählt habe. Zu Hunderten liegen sie im gestauten Strassengraben, dazwischen ab und zu ein Molch. Natürlich ist das Mädchen hell begeistert, und ich muss ihm versprechen, dass wir nach unserem selbstgekochten Mittagessen mit einem Konfitürenglas zurückkehren werden um einen oder zwei Rossköpfe zu holen. Zuhause hat sie ein leeres Aquarium in dem sie kleine Krebse gehalten hat, dort wird sie die Kaulquappen beobachten. Nach vollbrachtem Fang spielen wir Monopoly, das sie noch nicht kennt, bereiten das Abendessen zu, und vor dem Lichterlöschen liest sie im Bett noch in einem Buch, das sie im Kinderzimmerregal gefunden hat.

Ihr Bruder, ein 2. Klässler, kommt mit seiner Badehose und – obwohl das Wasser noch recht kalt ist – springt er ins Bassin. Lange hält er es nicht aus, doch danach spielt er intensiv mit Schiffen, Plastikfischen, Styroporschlangen. Am Nachmittag besuchen wir die Rossköpfe. Im Stall des benachbarten Bauern, wirft er den erstaunten und neugierigen Kühen Löwenzahn zu, tätschelt sie und spricht mit ihnen. Dann erklettert er den grossen Findling an den steilsten Stellen. Zuhause spielt er selbstvergessen mit der alten Holzeisenbahn seines Onkels. Nach dem Nachtessen würfeln wir um die Wette bis es Zeit zum Schlafen ist.

Zwei weitere Besucher, Kindergärtler, kommen morgen. Ich bin gespannt was wir zusammen erleben.

Bis jetzt ist diese Art Ferien ein voller Erfolg. Ich freue mich über die Verschiedenheit jedes Kindes und mit wie wenig Gegenständen sie sich unterhalten und vergnügen können, obwohl auch sie in der heutigen überorganisierten Welt leben.

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