Rubrik: Alle / Erziehung und Familie /

Kei Mueter weiss …

Drucken Drucken Empfehlen Empfehlen

Paul Burkhard, dessen 100sten Geburtstag wir 2011 feierten, ist vor allem bekannt durch die Melodie von “O mein Papa” oder vom Musical “Die kleine Niederdorfoper” mit dem Lied “De Heiri hät es Chalb verchauft”.

Steigender Beliebtheit erfreut sich sein Musical “D’Zäller Wiehnacht”, ein musikalisches Krippenspiel mit Mundartliedern für Kinder. Ein Lied daraus hat es mir besonders angetan: “Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh, kei Mueter chan i d’Zuekunft gseh. Ob ihres Chind muess liide, oder ob mer’s gar wird beniide? Kei Mueter weis, was ihrem Chind wird gscheh”.

 Jeder Mutter und jedem Vater von erwachsenen Kindern wird dieses Lied aus dem Herzen sprechen. Erinnerungen werden wach an frühere Zeiten, als der Säugling friedlich schlummernd oder selig lächelnd dalag, die Zukunft offen vor sich, begleitet von den besten Wünschen von Verwandten und Freunden. Doch schon allzu bald wich die Idylle den Trotzphasen, den kräftigen, nicht immer angenehmen Willenskundgebungen des Dreikäsehochs.

Am ersten Schultag dann waren alle Hoffnungen auf Glanzresultate im Lesen, Rechnen, Schreiben ausgerichtet und wurden leider schon bald enttäuscht: Mittelmass, Unaufmerksamkeit, schlechtes Benehmen, Streit auf Pausenplatz und Schulweg, überforderte Lehrerinnen … Die Kinder müssen sich den Ungerechtigkeiten der Welt stellen, und tun dies oft in einer Weise, die die Eltern enttäuscht. Geduld, Verständnis und stetes Begleiten sind nötig, damit die Kinder ihren eigenen richtigen Weg finden.

In der Pubertät zeigt das Kind vollends Eigenheiten, die den Eltern fremd sind, die sie nicht einordnen können, weil sie nicht ihren Vorstellungen von ihrem Kind entsprechen. Auch da gilt es, Freiheiten zu gewähren, damit sich der junge Mensch seiner Bestimmung gemäss entfalten kann, und gleichzeitig Halt und Hort zu bieten.

“Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh, kei Mueter chan i d’Zuekunft gseh.Wird ihres Chind riich erbe, oder als arme Bättler schtärbe? Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh.”

Für Maria, die Mutter Jesu, haben diese Worte allerdings eine Bedeutung von so unglaublichem Ausmass gehabt, wie sie uns Gewöhnlichen gottlob erspart bleibt. Schon die Ankündigung der Geburt Jesu ist aussergewöhnlich: Ein Engel spricht zu Josef: „Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden“ (Matth. 1,21). Kaum geboren wird das Kind von Weisen aus dem Morgenland besucht: „Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben nämlich seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen ihm zu huldigen“ (Matth. 2,2). Darauf folgt die Flucht nach Ägypten und später die Rückkehr der Familie nach Israel.

Als 12jähriger sitzt Jesus in der Synagoge und lehrt die Schriftgelehrten, ohne dass seine Eltern davon wissen. “ ‘Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem was meines Vaters ist?‘ Und sie verstanden das Wort nicht, dass er zu ihnen sagte“ (Lukas 2, 49-50).

Als junger Mann zieht Jesus mit Jüngern übers Land und vollbringt Heilungen und Wunder. Er lebt ein völlig unangepasstes, auf Gott ausgerichtetes Leben. Er predigt Unglaubliches und wird nicht verstanden. Seine Verkündigungen sind weit entfernt von „mainstream“ und von „political correctness“; sie sind provozierend und für manche gar blasphemisch. So „sprach der Hohepriester zu ihm: ‘Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagest, ob du der Christus, der Sohn Gottes, bist.‘ Jesus antwortet ihm: ‘Du hast es gesagt. Ja, ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels.‘ (Matth. 26, 63-64). …..Sie aber antworteten und sprachen: ‘Er ist des Todes schuldig.‘“ (Matth. 26, 66). Jesus wird also in jungen Jahren zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Doch drei Tage später ist sein Grab leer;  ein Engel verkündet: “Er ist nicht hier; denn er ist auferweckt worden, wie er gesagt hat….“ (Matth. 28,6). In Galiläa trifft der Auferstandene seine Jünger: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt“ (Matth. 28, 18-20).

 “Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh, kei Mueter chan i d’Zuekunft gseh.  Dient er emal am Böse, oder chan er eus all erlöse? Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh.”

Signatur